Sonntag, 26. Oktober 2014

Sephonie - Zeit der Engel von Jennifer Wolf





(Quelle/Copyright: bookshouse.de)

Kira Kindel alias Kiki steht am Rande eines Daches und schaut in den Abgrund, denn seit dem Tod ihrer Großmutter, die Zeit ihres Lebens Kikis lieblosen Eltern ersetzte, sieht sie in ihrem Leben keinen Sinn mehr. Versunken in ihre Gedanken bemerkt sie dabei nicht, dass sich einer ihrer neuen Mitschüler an sie herangeschlichen hat. Raphael Engel. Einer der berühmten Engel-Geschwister, bestehend aus Michael Engel, der Unnahbare, Maria Engel, die aufbrausenden Schönheit, und Raphael, der gutaussehender Mädchenschwarm. Allesamt macht diese Familie ihrem Namen alle Ehre, denn ausgerechnet mit dem Argument, dass Gott die Menschen liebt und das Kiki miteinschließt versucht er die verzweifelte Fremde vom Springen abzuhalten. Diese hat für sein Gerede aber nur ein genervtes Augenverdrehen übrig, denn eigentlich will sie ihr Leben gar nicht beenden. Sie fasziniert einfach das Was-wäre-wenn. Schlussendlich bewegt Raphael Kiki doch dazu sich vom drohenden Abgrund zu entfernen. Die beiden unterhalten sich und merken recht schnell, dass, obgleich sie sehr unterschiedliche Personen sind, sie einander faszinieren. Kiki mit ihrer Traurigkeit und Raphael mit seiner mysteriösen Art – und seinem guten Aussehen natürlich.
Aber ihrer aufkeimenden Liebe werden viele Hindernisse in den Weg gelegt, denn all die Geheimnisse, die Kiki an Raphael so anziehen, könnten das Aus für das junge Glück bedeuten. Und dazu muss Kiki noch feststellen, dass sie mehr mit den Engels gemeinsam hat, als sie jemals geglaubt hat.

Der Einstieg in die Geschichte war ganz und gar unerwartet. Man wir direkt ins Geschehen und gleich in eine prekäre Situation geschmissen, die den Leser erst mal stutzen lässt. Kiki steht am Rande des Daches ihrer neuen Schule und denkt darüber nach zu Springen. Zuerst wusste ich damit nicht so richtig was anzufangen, weil ich die Gründe ihrer Tat nicht verstand, aber das wurde glücklicherweise schnell aufgeklärt.
Kiki ist ein sehr verschlossener Charakter von außen betrachtet, deswegen fand ich es umso spannender Einblick in ihr Inneres zu bekommen. Wie Kiki selbst ist man an dem Internat auch neu und freut sich mit ihr zusammen neue Freunde kennenzulernen und sich in Raphael zu verlieben. Ihr Handeln ist in sich geschlossen und verglichen mit den vorangegangen Protagonisten aus anderen Büchern von Jennifer Wolf (Feuerherz, In Sanguine Veritas,…) kam mir Kiki als die mental stärkste Persönlichkeit vor. Zusammen mit Raphael akzeptierte sie nicht nur, dass sie, nach dem Verlust ihrer Großmutter, ihr Herz der Welt wieder öffnen musste, sondern gleich dazu gefühlte einhundert unglaubliche Dinge innerhalb kürzester Zeit – sowohl über Raphael als auch über sich. (Da stimme ich zu. Kiki mochte ich auch sofort. Durch ihre Charaktereigenschaften schaffte sie es sofort mich zu begeistern. Ich fand es super, dass man gleich ins Geschehen geworfen wurde, ich fühlte mich dadurch dazugehörig und selbst wenn es für einen Moment kurz verwirrend war, habe ich dennoch sehr gut und schnell ins Geschehen gefunden.)
Nett eingeflochtene Details des Internat-Alltagslebens haben das Gesamtbild für mich perfekt abgerundet. So entdeckt Kiki ihre Singstimme wieder in der Band ihrer besten Freundin Gina und hat neben ihrem Leben, das praktisch die ganze Zeit ein See von nicht enden wollenden Problemen ist noch Zeit für ihre Freunde. (Wie schon in den anderen Büchern von Jennifer Wolf fand ich auch hier, alles sehr authentisch dargestellt. Die Band half Kiki etwas wiederzufinden, das sie verloren glaubte und ich war dabei mitten im Geschehen und sang mit Kiki mit. Durch viele kleine Details fühlte ich mich zur Geschichte gehörend, das ist der Autorin wirklich gut gelungen!)
Damit komme ich dann auch schon zu Kikis liebstem Freund. Raphael. Zu Anfang mimt der noch den unnahbaren Bad Boy und ignoriert Kiki nach ihrer ersten Begegnung erstmal, doch innen ist der Kerl weicher als Butter. Süß! ;) Mit seiner Jesus-affinen Art passt das allerdings nicht so ganz zusammen, aber hier wird man ebenfalls zeitnah „erleuchtet“. (Raphael oder soll ich RAPHAEL sagen ;) Ein wirklich toller Charakter, der zeigt, dass nicht alles was für einen selber Sinn macht auch für andere verständlich ist. Er machte es mir nicht gerade leicht, doch auch ihm kann man quasi gar nicht entkommen. Er reiht sich ein in eine Reihe wundervoll ausgearbeiteter Charaktere die so authentisch wirken, dass es mir schien als würde ich sie alle persönlich kennen.) VORSICHT SPOILER!!!!! Das einzige was mich an ihm störte, war die Tatsache, dass er ein mehrere Jahrhunderte altes Wesen ist, das praktisch genauso alt ist wie die Erde und dennoch so … ich nenn es mal jungenhaft agiert. Wäre er ein normaler Teenager würde ich ihm die Masche ohne mit der Wimper zu zucken abkaufen, aber so war dieser Teil von Raphael wenig überzeugend. Erst gegen Ende hatte ich das Gefühl, er verhält sich „seinem Alter entsprechend“. SPOILER ENDE!!!!
Die Nebencharaktere sind ausnahmslos sympathisch. Jeder bekam seine eigene kleine Hintergrundgeschichte, die in das Geschehen passend eingebaut wurde und sowohl Gina – Kikis bester Freundin -, als auch der Rest ihrer „Gang“, bestehend aus Colin und Marc, haben somit stetig an Kontur gewonnen. Gina muss ich als Spezialfall aber deutlicher ausführen. Wie eingefleischte Jennifer Wolf Leser/innen schon wissen baut die Autorin in jedes ihrer Bücher einen sogenannten „David-Charakter“ ein. Dieser – in diesem Fall eine sie – ist dem David Michels (*SCHMACHT*) aus Frau Wolfs erstem veröffentlichtem Buch „In Sanguine Veritas“ gewidmet. Typischerweise sind diese Figuren versaut, witzig, laut, skurril, herzlich, loyal und unglaublich unterhaltsam. Gina erfüllte genau diese Eigenschaften und hat sich damit sofort einen Platz in meinem Herzen gesichert. Doch sie hatte auch tiefsinnige Momente und überraschte mich an mancher Stelle. Lest selbst. ^^ (Dazu brauch ich wohl nichts mehr zu sagen, Mrs. David Michels?)
Die Geschwister von Raphael sind ebenso interessant. Maria ist etwas cholerisch für ein Wesen ihrer Art und Michael wirkt etwas zu oberlehrerhaft, aber es war ein guter Kontrast zu der bunten Truppe von Kiki. (Da kann ich nur zustimmen. Sowohl die „Gang“ als auch die Engels sind super dargestellt und scheinen sich wirklich gut zu ergänzen. Sie stehen zwar im Kontrast zueinander, doch das bringt die einzelnen Charaktere nur noch mehr zur Geltung, eine super tolle Truppe der man als Leser selber angehört. Vor allem Colin und Marc haben es mir angetan, die beiden sind einfach klasse.)
Über die Handlung an sich will ich eigentlich nicht viele Worte verlieren. Mit viel Dramatik fängt das Buch an und das steigert sich im Laufe der Geschichte immer weiter, bis hinein in leicht satirische Akzente am Ende. Dieses war für mich nicht perfekt abgerundet. An einigen Stellen hatte ich noch tausend Fragen, auf die ich erst mal keine Antwort bekommen werde. (Es gibt Gerüchte über einen zweiten Teil, aber die wurden nie bestätigt). Ich hatte einfach das Gefühl, dass die Geschichte während des Buches kontinuierlich an Komplexität zunahm und folglich spannender wurde, aber das Ende mich zu abrupt abfertigte. Also warte und hoffe ich auf einen zweiten Teil, den Kiki und Raffa wirklich verdient haben. (Das ging mir auch so. Ich hatte am Ende einen größeren Knall erwartet. Aber vielleicht zeigt das auch nur, wie spannend und Komplex das ganze Buch von Anfang bis Ende war. Ein passendes Ende gibt es dafür wahrscheinlich nicht, außer natürlich den zweiten Band :D Teetrinken und hoffen würde ich sagen.)

Fazit: Für ein rundum gelungenes Buch, das viele tolle Charaktere bereithält und mit Dramatik den Leser zu fesseln weiß, verdient einfach 4 von 5 Rosen. Gina war eines meiner Highlights des Jahres. Wo Jennifer Wolf draufsteht bekommt man eben was für sein Geld. Eine wunderschöne Geschichte mit viel Herz und Humor. Ich kann es jedem Jungen/Mädchen ab 14 – 99 nur weiterempfehlen. Schlagt zu, solange das eBook so günstig ist.

Fazit: Ein super Buch, das nicht nur mit einer spannenden Geschichte sondern auch Romantik und abgerundeten Charakteren überzeugen kann. Das Ende hat mich leider nicht ganz überzeugt, was aber nicht wirklich schlimm ist, weil jede Seite es wert war sie zu lesen. Für einige Zeit war ich in Kikis Welt gefangen und wollte gar nicht mehr von dort auftauchen. Für ein Lesevergnügen, dass ich nur jedem empfehlen kann, vergebe ich 4,5 von 5 Schneeflocken. 

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