Samstag, 21. Juni 2014

Rezension zu Wie verzaubert man einen Duke? von Julia Quinn





Der eigentliche  - ich habe aus Versehen den zweiten Teil zuerst gelesen und rezensiert - erste Teil der Bridgerton-Reihe dreht sich ganz um den Buchstaben D, also Daphne Bridgerton. Sie ist die älteste Tochter des Bridgerton-Clans und somit auch die erste Frau, die von ihrer Mutter in die Gesellschaft eingeführt wurde. Eine Beileidsbekundung würde man normalerweise ausprechen, denn Violet Bridgerton ist für ihre unerschöpfliche Motivation in Herzensdingen ihrer Kinder berühmt berüchtigt. Im Grunde findet Daphne aber die unermüdlichen „Unterstützungen“ ihrer Mutter ganz gut, denn anders als ihre Geschwister möchte sie durchaus heiraten und eine Familie gründen.
Doch ausgerechnet die Junggesellen der Saison scheinen ihr einen Strich durch ihre Zukunftsträume zu machen, denn vor allem ist Daphne durch ihre sympathische Kameradschaft in den Kreisen der werten Herren bekannt. Sie sehen die schöne Brünette eher als gute Freundin oder Vertraute, aber keiner scheint romantische Gefühle für sie zu hegen.
Alle bis auf den besten Freund ihres ältesten Bruders Anthony, der von einer langen Weltreise nach London zurückgekehrt ist, der Duke of Hastings – Simon Basset.
Doch dieser ist absolut nicht gewillt den Bund fürs Leben zu schließen und möchte den heiratswütigen Müttern aus dem Weg gehen. Also schließen Daphne und Simon einen Plakt. Simon soll offiziell um Daphne werben, sodass alle anderen Junggesellen wie eine Hammelherde folgen – und ja es funktioniert. Simon hingegen sollen die standesgemäßen Damen vom Leib gehalten werden, da es nun so scheint, dass er eine Frau auserkoren hat die zukünftige Duchess zu werden.
Das Leben aber spielt nicht nach den Regeln, die wir ihm auferlegen und schon bald wird aus dem anfänglichen Spiel wahre Gefühle.

Daphne Bridgerton ist keine große Heldin und will ebenfalls nicht die Welt verändern. Allein ihrem Leben möchte sie eine neue Richtung geben und das ist ebenfalls eine Herausforderung. Da der erste Teil mir schon so unglaublich gut gefallen hat, konnte ich einfach nicht anders, als mir alle anderen Bände auch zu kaufen. Ein Nicht-Fehlkauf bis dato.
Die Protagonistin Daphne ist durchgehend sympathisch und besitzt viele liebenswerte Eigenschaften, die sie mir näher gebracht haben. Sie ist schlagfertig, witzig und eine hoffnungslose Romantikerin. Außerdem war es interessant mal aus der Sicht einer Person zu lesen, die sich seit jeher zu Mutterschaft berufen fühlt. Mit viel Feingefühl wickelt sie den guten Simon innerhalb kürzester Zeit um alle ihre Finger, egal ob ihr großer Bruder Anthony dazwischenfunkt oder nicht. (Daphne war mir auch sofort sympathisch, jedoch hat es mich manchmal genervt, dass sie so eine hoffnungslose Romantikerin ist. In der Kombination mit Simon war aber alles wieder in Ordnung. Ich musste jedes Mal lachen wenn Anthony mal wieder versucht hat sich zwischen Simon und Daphne zu stellen. Der große Bruder war einfach Urkomisch.)
So ist es praktisch ständig ein wunderbar verqueres Hin und Her zwischen Anthony, Simon, Daphne und teilweise Violet Bridgerton. Die Nebencharaktere wurden vor allem durch solche Szenen unterhaltsam umschrieben und trieben das Paar in die richtige Richtung. Mal mehr subtil – Violet Bridgerton zum Beispiel -  und mal weniger subtil – durch den aufbrausenden Anthony. (Die ganzen komplexe Geschichte ist einfach nur um so witziger durch die Einmischung der verschiedenen Parteien. Anthony will, dass Simon sich auf jeden Fall von seiner Schwester fern hält, was beide irgendwie nur noch mehr anspornt. Daphnes Mutter will, dass sie ihrem Herzen folgt. Und alle kämpfen irgendwie gegeneinander auf höchst charmante Weise. Das war wirklich eins der Highlights in dem Buch.)
Ebenfalls wieder mit dabei ist die geheimnisvolle Klatschkolumnistin Lady Whistledown, die erneut sarkastisch und kritisch Stellung zu allen möglichen persönlichen Belangen und Ereignissen der gehobenen Gesellschaft nimmt. Wie auch im letzten Buch waren diese Abschnitte meine absoluten Lieblinge, da diese der Geschichte den nötigen Witz und die nötige Boshaftigkeit gegeben haben. Wer diese sagenumwobene Frau ist, wird allerdings nicht aufgeklärt. (Ich hab mir auch die ganze Zeit überlegt, wer kann sie nur sein und habe in jeder Person nach Anzeichen gesucht. Absolut genial gemacht!)
Die Handlung an sich war in dem genau richtigen Tempo. Anders als andere Bücher nimmt aber der Höhepunkt der Geschichte nicht das Ende ein, sondern kommt im guten zweiten Drittel. Denn wie sollte es anders kommen – ich glaube da verrate ich nicht zu viel, da das abzusehen war - heiraten Simon und Daphne natürlich. Allerdings fangen die Probleme damit erst an. (Das fand ich auch total toll. Oft in Büchern endet es mit der Heirat und danach leben sie glücklich bis ans Ende ihrer Tage. Doch nicht so bei Julia Quinn. Denn mit der Heirat fängt das ganze erst richtig an und eigentlich denkt man es kann gar nicht mehr dramatischer, witziger und besser werden, doch Julia Quinn schafft es immer noch einen obendrauf zu legen und alles authentischer wirken zu lassen.)
Auch hier spielt die Autorin gekonnt mir den Herausforderungen des jungen Paares, bleibt aber konstant nachvollziehbar in ihrer Argumentation. Es war erfrischend mal zu sehen, was in einer doch steifen viktorianischen Ehe alles nach der Trauung auf die Eheleute zukommt. Höflichkeitsbesuche, das ungewohnte Zusammenleben, eventuelle Tuscheleien, sollte die Frau nicht schwanger werden usw. Das sind alles Dinge, die die traute Zweisamkeit erschweren, aber die Handlung authentischer machen.
Die Kulissen sind, wie Julia Quinn es ausdrücken würde, einfach hinreißend. Pompöse Bälle, das Bridgerton Stadthaus, der Landsitz des Duke und viele andere Ortschaften lernt man im Laufe des Buches kennen. Sie alle sind eindrucksvoll umschrieben und geben den Charme des damaligen englischen Adels wieder. (Wirklich nachvollziehbar geschildert, waren die Bälle für mich auch das Highlight. Man glaubt kaum, was ein Tanz so alles auslösen kann. :D)

Fazit: Daphne und ihr verzauberter Duke bekommen von mir 5 von 5 Rosen. Es war einfach zuckersüß, wie die beiden durchs Leben tapsten und dabei witzigerweise aufeinander fielen. Der Schreibstil, die schönen Kulissen und die solide Handlung machen aus dem sympathischen Paar ein Gesamtkunstwert. Dieses Buch ist ein Muss für jedes romantische Liebesromanherz.

Fazit: Mit gleichbleibendem Schreibstil aber anderer Handlung schafft Julia Quinn es schon wieder mich in ihren Bann zu ziehen und erst mal nicht mehr loszulassen. Die Kulissen und die amüsanten Dialoge sind das absolute Highlight dieses Buches. Daphnes hoffnungslos romantische Art war mir ab und zu zu viel, wurde aber durch Simons robuste Art gut ergänzt. Ein auf allen Ebenen überzeugendes Buch, dass 5 von 5 Schneeflocken bekommt.


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nächster Band der Bridgerton-Reihe
Homepage der Autorin
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Der Mira Verlag
Der Cora Verlag
(bei jeweils beiden Verlagen fand die Autorin ein Zuhause für ihre Bücher in deutscher Ausgabe)



Alles Liebe
Eure Rosenrot und Euer Schneeweißchen



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