Samstag, 17. Mai 2014

Rezension zu Linna singt von Bettina Belitz


Linna singt, gibt’s schon seit fünf Jahren nicht mehr. Doch jetzt soll die Band wieder aufleben, einmal noch zusammen auftreten, der guten alten Zeit willen. Und so trifft Linna nach langer Zeit wieder auf Maggie, Simon, Jules und Falk. Eigentlich ist das genau das Gegenteil von dem was Linna will, alle wieder sehen ist nämlich genau das vor dem es sie graust. Denn was ihre alten Bandkollegen nicht wissen, Linna hat seit fünf Jahren nicht mehr gesungen. Aber sie kann nicht anders, sie muss die Einladung annehmen. Ihr Antrieb ist die eine Nacht mit Falk die sie nicht mehr loslassen will. Sie braucht Antworten und nur einer kann sie ihr geben. Zusammen mit Tobi, der größte Fan der Band, fahren die Fünf auf eine Hütte in den Bergen um für ihren Auftritt zu üben. Die sowieso schon angespannte Stimmung kippt schnell. Jeder hat sich verändert, keiner scheint mehr der Alte zu sein, am Wenigsten Linna. Was ganz harmlos begonnen hatte beginnt schnell zum nervenaufreibenden Psychospiel zu werden in dem alle Fünf auf die Probe gestellt zu werden scheinen. Linna gerät immer mehr in Bedrängnis und steht bald als absolute Lügnerin da, doch wer hält die Schnüre in der Hand, wer versucht Linnas Geheimnisse ans Tageslicht zu bringen? Und wie kommen sie wieder heil aus der Hütte die mittlerweile total zugeschneit wurde? Nach und nach dringt Linna in die Tiefen ihrer Selbst vor und scheint dem Geheimnis, warum sie nicht mehr singen kann, auf der Spur zu sein.

WOW, was für ein Buch. War ich zuerst noch skeptisch, da ich nicht der größte Fan ihrer Splitterherz Trilogie bin, wurde diese Skepsis schon nach den ersten Seiten zerstreut und wich größter Spannung. (Ich bin seit Splitterherz ein großer Belitz-Fan und war umso gespannter auf Linna singt, weil es sich mal nach keiner Fantasy-Literatur angehört hat. Überzeugt hat es auch mich!)
Bettina Belitzs Schreibstil hat mich total aus den Socken gehauen. Er ist nicht nur leicht und schwebend, sondern auch sehr wortgewandt. Ihre mystische Ader schlägt sich nicht nur in der Geschichte wieder sondern auch in ihrem Schreibstil. Er hat mich einfach nicht mehr losgelassen und ich war schon nach wenigen Minuten völlig versunken in dem Buch, in der Handlung, in Linnas Welt. (Mystisch trifft ihren Schreibstil sehr gut. Viele poetische Umschreibungen und Beschreibungen sind in ihrem Buch vorzufinden. Aber diese haben mich keineswegs gestört. Ich mochte diese leicht verworrene Schreibweise, die einen mit dem Buch zum Träumen bringt. Außerdem finde ich passt der Schreibstil gut zur vorherrschenden Grundstimmung. Die ist auch mehr düster und dramatisch-lyrisch. ) Die Geschichte wird aus Linnas Sicht erzählt und ich hatte daher keine Schwierigkeiten mich in sie hineinzuversetzen und fand ihre Gefühle und Ansichten durchweg logisch und für mich nachvollziehbar dargestellt. Außerdem machte es die ganze Geschichte noch ein wenig spannender, da ich ja nur wusste was auch Linna erfahren hatte. (Dem letzten Punkt kann ich vorbehaltlos zustimmen, da ich es gut finde, wenn zu Anfang nicht schon zu viele Andeutungen preisgegeben werden. Gerade die vielen Geheimnisse und Unklarheiten haben mich gefesselt und eben die Tatsache, dass ich nicht alles nach den ersten hundert Seiten durchblicken konnte. Allerdings fand ich Linna nicht so sympathisch. Sie ist eine gut ausgearbeitete Persönlichkeit und in vieler Hinsicht konnte ich sie auf persönlicher Ebene gut leiden, aber das kippte an ein paar Stellen. Da fand ich Reaktionen zu aufgesetzt oder überzogen, aber das ist der individuelle Geschmack.) Die Charaktere könnten unterschiedlicher nicht sein. Am Anfang erfährt man aus Linnas Sicht wie sie ihre ehemaligen Bandkollegen in Erinnerung hat, wie sie früher waren. Die Veränderungen hätten nicht größer sein können. Alle sind erwachsen, fast schon langweilig geworden. (Das ist mir – genauso wie es Schnee beschrieben hat – auch aufgefallen. Aber dieser extreme Gegensatz zu ihren früheren Persönlichkeiten waren unheimlich interessant für mich, da man sich ja folglich fragt: Warum?)
Linna war für mich eine sehr angenehme Protagonistin. Sie ist eine starke Frau, die genau so viele Ecken und Kanten wie Geheimnisse besitzt. Ich fand es total interessant in ihrem Kopf zu sein und wollte ihn am liebsten gar nicht mehr verlassen. Eins ihrer Geheimnisse ist ihre sensible Art, die mich sehr überrascht hat, da Linna nach außen alles andere als sensibel wirkt. Für mich war dieser Kontrast total spannend und ich hätte gern noch mehr über Linna erfahren als es in einem Buch möglich gewesen wäre. (Diese sensible Ader, wie oben erwähnt wird, war einer der Teile von Linnas Charakter, die mir ebenfalls sehr gut gefallen haben. Diese Enthüllung machte Linnas Art komplexer.)
Aber auch alle anderen Personen haben ihr Päckchen zu tragen und jede einzelne ist bis ins kleinste Detail durchdacht und wirft nur wenig Fragen auf. Alle Charaktere erschienen mir so realistisch und wahrhaftig, als würde ich sie persönlich kennen, was mich noch mehr fesselte. Ich fühlte mich integriert und fieberte mit Linna, aber auch mit Simon und vor allem Jules, die wohl größte Überraschung für mich. Denn auch er hat ein dunkles Geheimnis, dass er um jeden Preis verbergen will. (Jules ist mein Lieblingscharakter im ganzen Buch. Und wie Schnee fand ich alle Nebenpersonen authentisch gezeichnet und spannend konstruiert. Gerade diese Verdichtung der Situation – also dass alle Akteure in der Hütte eingeschneit sind – ließ viel Raum, die einzelnen Personen näher kennen zu lernen, weil es eben nicht gefühlte hundert Charaktere gab, denen man allen ihren Tribut zollen musste, sondern dieser kleine ausgewählte Kreis, der viel Raum für Details ließ.)
Die Kulisse die sich Bettina Belitz wählte passt sehr gut zum Thema. Denn so eisig wie es draußen vor der Hütte ist scheint es auch mittlerweile zwischen den Bandkollegen zu sein. Und alle scheinen Linna die Schuld zu geben. Oft fragte ich mich jedoch, wieso Linna nicht abgehauen ist sondern immer wieder auf der Hütte blieb und sich neuen Demütigungen aussetzte. Doch ich glaube, sie konnte einfach nicht anders. Alles was sie brauchte um weiterleben zu können waren Antworten, ohne die konnte sie wahrscheinlich nicht gehen. (Die eine wirklich wichtige Kulisse, also die Hütte, war klug gewählt, aber mehr kann ich dazu auch nicht sagen. Objektiv betrachtet ist das wenig abwechslungsreich, aber subjektiv, war es genau richtig meiner Meinung nach, weil es ja hauptsächlich, um die spannungsgeladene Situation mit den unterschwelligen Geheimnissen ging.)
Das Ende gefiel mir sehr gut. War ein Ruhepol zu der vorher sehr aufgeladenen und spannenden Handlung, die nie langweilig zu werden schien. Immer wenn man einen kurze Verschnaufpause hatte wurde ein neues Geheimnis gelüftet, geschah etwas noch Abstruseres, da fand ich es wirklich entspannend und schwebte quasi aus der Handlung in meine eigenen Gedanken zurück.
(Vom Ende war ich herbe enttäuscht. Genau festmachen kann ich es an dieser Stelle nicht, ohne zu viel inhaltlich zu verraten, aber irgendwie war der Spannungsbogen so grandios während der Handlung aufgebaut, dass ich mir ein in sich schlüssigeres und erfüllenderes Ende gewünscht hätte.)

Fazit: Linna singt ist eins meiner Highlights des letzten Jahres und bekommt 5 von 5 Schneeflocken. Ich kann dieses Buch immer und immer wieder lesen ohne das es langweilig wird. Sowohl die Handlung als auch die Charaktere können mit besonderem Tiefgang glänzen und nehmen einen gefangen in ihrer Welt. Mit ihrer sanften Art schwierige Gedanken und Dinge aufs Papier zu bringen schaffte es Bettina Belitz mich zu fesseln und nicht mehr loszulassen. Hut ab.

Fazit: Die wirklich authentischen Charaktere und die fesselnde Spannung verdienen einfach gut bewertet zu werden. Linna hatte zwar ihre Mankos, aber wer ist schon perfekt. Der Schreibstil und der Suchtfaktor – der hier definitiv vorhanden ist – gleichen die kleinen Defizite wieder aus. Einzig und allein für das Ende muss ich einen Stern abziehen. Und das macht dann – wenn meine Mathekenntnisse nicht ausnahmslos schlecht sind – 4 von 5 Rosen für Linna singt. Ich finde es richtig gut, dass die Autorin mal eine ganz andere Seite ihres Schaffenstalentes gezeigt hat.


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Seite des Verlags (Script5) - Die Seite kann man leider momentan nicht aufrufen!
Betinna Belitz auf:
 
Alles Liebe
Eure Schnee und Eure Rose

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