Freitag, 28. März 2014

Mit Liebe hat das Nichts zu tun von Claudia Mech


(Copyright: Elf Uhr Verlag)




Stefanie, genannt Stef, wurde im frühkindlichen Alter von ihrer Mutter und ihrem Vater im Stich gelassen und kam daraufhin in die liebevolle Obhut ihrer Großeltern, die sich seither gut um sie kümmerten. Stef kommt aus einer normalen rheinländischen Familie und hatte ihre nicht besonders aufregende Kindheit in einem Dorf am Rande des Nirgendwo verbracht, zusammen mit ihrem Vati – ihrem eigentlichen Opa –, ihrer Mutti – ihrer Oma -, und ihren vielen Geschwistern – ihre biologischen Tanten und Onkel. Eines unverhofften Tages kommt Stefanie von der Schule nach Hause und ihre Mutti offenbart ihr die glückliche Nachricht, dass sie in den Ferien nicht in die Berge zum Wandern, sondern nach Mallorca, ans Meer fahren. Stef kann ihr Glück kaum fassen und freut sich unbändig, da ihre Eltern von einer schmächtigen Rente leben, die eigentlich nur einen Urlaub im kleineren Rahmen erlaubt. Doch ihr Leben nimmt eine grausame Wendung, als sie unter der Mittelmeersonne ihre Zeit genießt. Und als sie wieder zurück in Deutschland ist verschlimmert sich ihre Lage sogar. Aber sie kann es niemandem sagen, denn Vati sagte: "Es ist unser kleines Geheimnis.“


Mit Erschrecken, Spannung und einem beängstigen Gefühl habe ich dieses Buch an einem Abend fertig gelesen. Wie aus dem Inhalt bereits herauszulesen ist, handelt es sich um eine Geschichte, die den Verlauf eines sexuellen und, wie ich finde, psychologischen Missbrauchs im eigenen Elternhaus erzählt. Die Tatsache, dass es sich um einen autobiographischen Roman handelt macht die ganze Geschichte nur echter, erschreckender und ja sogar authentischer. (Das ging mir ähnlich. Hatte ich das Buch erst einmal in die Hand genommen, konnte ich es nicht mehr weglegen. Auch Tage später hatte mich die Geschichte noch in ihrem Bann und ich musste immer wieder darüber nachdenken.)
Stefanies einfache, klare und rücksichtslose Art macht es dem Leser einfach, die Protagonistin nicht zu bedauern, sondern sie für ihre Kraft und ihre Menschlichkeit zu bewundern. Ohne Ausschmückungen oder übertrieben ekelerregenden Beschreibungen hat das Buch mich mit seiner Ehrlichkeit in seinen Bann gezogen. Ja, Stefanie hat gelitten und ja sie wurde missbraucht, aber sie ist nicht daran zerbrochen und das nötigt mir den größten Respekt ab. Ein so sensibles Thema ist zudem nicht leicht zu Papier zu bringen, schon gar nicht wenn es um die eigene Lebensgeschichte geht, aber auch hier war alles auf den Punkt gebracht und dennoch unglaublich sensibel beschrieben. (Da kann ich dir nur voll und ganz zustimmen Rose. Ich bewundere Stefanie für ihre Art mit der ganzen Sache umzugehen. Man weiß nie wie man sich selbst in so einer Situation verhalten hätte, aber ich muss sagen, wie Stef hätte ich das wahrscheinlich nie geschafft. Auch ich empfand die Atmosphäre im Buch genau richtig. Jeder einzelnen Szene hab ich entgegen gefiebert und durch die sehr klaren Schilderungen, konnte ich mich fast in die Protagonistin hinein fühlen. Großes Lob an die Autorin, die dieses doch sehr prekäre Thema in solch klaren Linien beschrieben hat.)
Es kam mit teilweise sogar so vor, als ob es der Autorin absolut egal ist, ob ihr jemand ihre Geschichte glaubt, sie gut oder nicht gut, angebracht oder unangebracht findet. Sie schreibt ganz einfach, was sie erlebt hat und nichts dran ist gestellt, nichts erdacht und nichts unumkehrbar. Diese Offenheit hat mich extrem berührt und gehört meiner Meinung nach gelesen. (Die Wahrheit lässt sich eben meist nicht schön verpacken und das sieht man meiner Meinung nach ganz klar an diesem Buch. Auch mich hat die Offenheit der Autorin sehr überrascht, werden solche Themen doch meist Tod geschwiegen.)
Auch der Schreibstil passt perfekt in diese Situation hinein. Sie schreibt aus der Sicht ihres eigenen Ichs zu einer anderen Zeit, also benutzte sie auch dessen Sprache. Simple klare Sätze und Wortbauten dominieren ihren Sprachgebrauch, die zu einer 12/13-Jährigen passen. (Ich bin ebenfalls sofort in die Geschichte hineingekommen und die Struktur, wie der Satzbau, passen perfekt zur Situation.)
An dieser Stelle etwas zu kritisieren wäre unverschämt. Denn trotz aller literarisch herausragenden Ergüsse ist der Inhalt immer noch wichtiger als die Verpackung. Und jeder Wortkünstler dieser Welt kommt meiner Ansicht nach nicht gegen die glasklare Wahrheit eines etwas wirklich Erlebten an.

Fazit: Ehrliche 5 von 5 Rosen bekommt Claudia Mech für ihre Lebensgeschichte. Danke, dass Sie sie mit mir geteilt haben. Ich bin beeindruckt, absolut beeindruckt.

Fazit: Ein Roman, der schwer im Magen liegen bleibt und zum nachdenken anregt. Er sticht für mich jedoch durch seine einfache und klare Schilderung eines so schweren Themas ganz klar hervor und bekommt deswegen 5 von 5 Schneeflocken. Ich wünsche der Autorin für die Zukunft nur das Beste.


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