Sonntag, 2. Februar 2014

Kurzgeschichte: Schwarzer Engel



Sie sah in den Himmel. Lange und bedächtig. Und zum tausendsten Mal. Es war stockduster, das einzige Licht spendeten die funkelten Sterne hoch über ihr. Sie hatte die Nacht gehasst. Doch nun war es alles was er ihr gelassen hatte. Der einzige Ort, an dem sie sich ihm nahe fühlen konnte. Die einzigste Zeit, in der er bei ihr sein konnte. Nicht körperlich. Dennoch sie fühlte ihn. Überall. Sogar in dem Wind, der um ihren Körper streifte, sie liebkoste und dann doch genauso schnell verschwand wie er gekommen war. Schlagartig war ihre Seele wieder leer. Leer und alleine. Verlassen. Er hatte sie nicht mitgenommen und dennoch war sie nicht mehr hier. Nur noch ein Abbild ihrer selbst war zurück geblieben.
Sie ging weiter, fühlte die groben Sandkörner unter ihren Füßen. Glaubte, der Schmerz wäre die einzige Empfindung, die im Moment das schwarze Loch füllen konnte. Sie hielt es nicht länger aus.
"Was bildest du dir eigentlich ein wer du bist?", schrie sie den Himmel an. "Kommst hier runter, spielst meinen dunklen Engel, zeigst mir was es heißt zu Leben. Und dann gehst du wieder? Einfach so. Verpisst dich wieder auf eine deiner Wolken um Harfe zu spielen. Du verfluchter Mistkerl. Schwing deinen Arsch gefälligst wieder hier runter. Oder hol mich zu dir. Aber lass mich nicht als Scherbenhaufen zurück." Die letzen Worte hatte sie nur noch geflüstert. Unsanft ließ sie sich auf den Sand fallen und brach in Tränen aus. Er hatte jegliche Farbe mit sich genommen und sie in einer schwarz weißen Welt zurück gelassen. Und sie wusste, sie könnte schreien und toben so viel sie wollte, er würde nicht wieder kommen. Das konnte er garnicht. Das Leben war ungerecht. So und nun da sie die Tatsache anerkannt hatte, ging es ihr natürlich besser. Ja klar schön wärs. Es hatte sich nichts geändert. Sie war kalt, gefühllos und leer. Und es gefiehl ihr. Es war besser als alle anderen Gefühle, die sie seit seinem Tod gefühlt hatte.

(Copyright: DieSchwesternGrimm)

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