Freitag, 31. Januar 2014

Das Schicksal ist ein mieser Verräter von John Green


 (Copyright:Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG)

Hazel war 13, als Krebs bei ihr diagnostiziert wurde. Schilddrüsenkrebs mit Metastasen in der Lunge. 3 Jahre später kann sie zwar ohne ihre Sauerstoffflasche nicht mehr atmen, aber immerhin lebt sie noch, denn ihre Behandlung kann ihr Leben nicht retten, nur verlängern. Hazel hat sich mit ihrem Schicksal abgefunden zumindest versucht sie es, denn das einzige was sie nicht brauchen kann, ist bemitleidet zu werden, denn das hilft niemandem, ihr am wenigsten.
Eines Tages lernt sie in einer Selbsthilfegruppe, zu der sie ihre Mutter zwingt, Augustus Waters kennen. Auch der gutaussehende schlagfertige Junge ist vom Krebs gezeichnet, denn er musste eins seiner Beine opfern, gilt jetzt, nach der Amputation, jedoch als „geheilt“. Und obwohl Hazel niemanden mehr an sich ran lassen wollte, um ihre Mitmenschen nicht zu verletzen, wenn sie stirbt, freundet sie sich mit Augustus an. Die Beiden philosophieren über Bücher, Musik und das Leben. Als Augustus Hazels größten Wunsch erfüllt und es ihr ermöglicht ihren Lieblingsautor in Amsterdam zu besuchen, passiert das unfassbare: Hazel verliebt sich. Ausgerechnet sie, wo ihr doch nur so wenig Zeit auf Erden bleibt. Doch alles kommt anders und die beiden Teenager müssen mehr durchmachen als gut für ihre beiden Herzen ist.


Es fällt mir schwer in Worte zu fassen wie sehr mich das Buch berührt hat, aber ich will es dennoch versuchen, damit viele von euch es vielleicht auch in die Hand nehmen und lesen.
Der Schreibstil des Autors war von der ersten Zeile an erfrischend, flüssig und manchmal echt lustig. Der Sarkasmus, der aus jedem Satz spricht, rundet die traurige Geschichte ab und bildet einen perfekten Kontrast zu dem ernsten Thema, wirkt aber keines Wegs lächerlich. Die komplizierten Gedankengänge von Hazel und Augustus hat er sehr bildhaft und deutlich dargestellt und auch wenn ich mich beim Lesen manchmal anstrengen musste um ihnen folgen zu können, fand ich das genau richtig für dieses Buch. Denn wer hier ein Buch erwartet ala alles hat seine guten Seiten, auch der Krebs, ist falsch und sollte die Finger von dem Buch lassen. John Greens Figuren sind echt und zum anfassen, Helden auf ihre Art und weise aber auf keinen Fall klischeehaft. Sie versuchen mit ihrem Todesurteil umzugehen und scheitern dabei auch oft, stehen aber jedes mal wieder auf.
Die Atmosphäre des Buches ist nicht so traurig wie man jetzt vielleicht denkt, denn die Erlebnisse der Jugendlichen, aber vor allem ihre Art lockern das eigentlich traurige Thema auf und an einigen Stellen musste ich wegen ihrer sarkastischen Art sogar schmunzeln. Im Kontrast dazu steht die fast schon poetische Art des Autors manche Szenen zu beschreiben, vor allem die Gedankengänge der Hauptperson Hazel. Sie philosophiert auf einer so bezaubernd sarkastischen Ebene mit Augustus über das Leben, den Krebs und den Tod, dass ich an ihren Lippen hing. Ich wollte jedes einzelne Wort, das sie zu sagen hatte hören und die beiden, haben mich total beeindruckt. Beide gehen mit ihrer Krankheit so offen um und möchten nichts sehnlicher als normal zu sein. Zusammen können sie das.
Alle Personen, sowohl Haupt- als auch Nebencharaktere sind sehr gut gezeichnet und ich konnte mich besonders gut in Hazel hineinversetzten, da die Geschichte aus ihrer Sicht erzählt wird. Hinter allem was sie denkt, sagt oder tut, steckt so viel, dass ich das ganze Ausmaß meistens nicht mal ansatzweise zu fassen bekam. Sie erschient mir so viel Älter und Reifer als sie wirklich ist, in ihrer Beziehung zu Augustus merkte ich dann aber wie unerfahren sie eigentlich ist, denn in Wahrheit ist sie nichts weiter als ein Teenager der nichts anderes möchte als leben. Genau wie Augustus und Isaac, Augustus bester Freund. Auch die beiden spielen eine wichtige Rolle im Buch und werden zu Hazels Vertrauten. Gleichzeitig scheint aber auch jeder von ihnen eine eigene Geschichte zu haben, die Geschichte die vom Krebs geschrieben wird.
Was ich jedoch auch nicht verschweigen will ist, dass es in diesem Buch trotz allem natürlich ums Sterben geht. Auch wenn mir vom Anfang an klar gewesen ist, dass ich mich genau wie die Protagonistin mit dem Tod auseinandersetzten muss, traf es mich am Ende dennoch hart und unvorbereitet, denn kurz vor Ende wendet sich das Blatt und alles kommt anders als erwartet.


Da Schnee mir die mühevolle Aufgabe abgenommen hat, das Buch in seinen Einzelteilen wiederzugeben und zu reflektieren, werde ich an dieser Stelle von unserem üblichen Kurs der Kommentation abweichen und etwas anderes machen. Ich schreibe auf, was „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ mir bedeutet und gehe auf keine methodischen oder stilistischen Werkzeuge ein.


Es gibt traurige Bücher, es gibt lustige Bücher, es gibt Bücher fürs Herz. Und es gibt Bücher, die lassen einen mit offener Seele, Trauer und ja fast Ungläubigkeit zurück. Als ich die letzten Zeilen dieses außergewöhnlichen Buches lesen durfte, verschlug es mir schlicht und ergreifend die Sprache. Ich wusste nicht, was ich denken, was ich fühlen, was ich aufschreiben sollte.
Wenn Bücher Emotionen transportieren sollen, vielleicht sogar den Leser in einer gewissen Weise manipulieren sollen, hat es der Autor in meinem Fall mehr als geschafft. Ich war seine Marionette und ich wollte sie auch sein.
Es gibt Bücher, die kannst du gar nicht beschreiben so atemberaubend sind sie. Dabei kommt es nicht auf das Genre an, sondern die geballten Kraft, die in dem geschrieben Worten steckt.
Selten kommt es vor, dass mich ein völlig unscheinbares Buch so fesseln und beeinflussen kann. Mit seiner Ehrlichkeit und seiner Lebensfreude habe ich dieses Werk mit jeder Seite mehr geliebt. Es war eine Reise, die ich so nie erwartet hatte und die ich nicht mehr verlassen wollte.
Solche Geschichten zeigen mir, warum ich Lese und warum ich Menschen mitleidig ansehe, die mich für langweilig und verstaubt halten und abfällig arrogant das Wort Bücherwurm gebrauchen.
Manchmal ist Lesen wie atmen.


Fazit: Es gibt kaum ein Buch, bei dem ich mehr gezittert, gelacht und mitgefiebert habe. Der Autor schaffte es mich von Anfang bis zum Ende in der Geschichte zu halten und zählt eindeutig zu meinen Lieblingsautoren. „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ ist keinesfalls ein Buch, dass man auf die leichte Schulter nehmen sollte, dennoch kann ich es nur jedem empfehlen, da es die richtige Mischung aus Witz, Tragödie und Ernst des Lebens hatte. John Greens Roman bekommt daher verdiente 5 von 5 Schneeflocken von mir und wandert auf den Stapel meiner Lieblingsbücher. UNBEDINGT LESEN UND WEITEREMPFEHLEN


Fazit
Natürlich gibt’s nach meiner Lobrede auf den Autor 1 Millionen Rosen auf sein Haupt. Lest einfach das Buch. Ihr werdet es nicht bereuen.


Homepage von John Green
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Schneeweißchen und Rosenrot <3

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