Sonntag, 1. September 2013

Sonntagsschmankerl

(Copyright: Iris Blessing)


Er hielt ihr Gesicht in beiden Händen, schaute ihr in die Augen und wusste, dass sie es war nach der er gesucht hatte. Sie sah anders aus, natürlich, das tat sie immer, aber dennoch, er wusste es, denn er sah es in ihren Augen. Und wer wusste besser als er, dass die Wahrheit in den Augen lag? Erschreckenderweise, sah er kein Erkennen in ihren Augen funkeln. Sie wusste jetzt wer er war, was seine Geschichte, ihre Geschichte war und trotzdem konnte sie sich nicht erinnern. Überraschend, dachte er sarkastisch, sie kann sich ja sonst immer erinnern. Natürlich konnte sie sich nicht erinnern, dass war ihr Schicksal. Aber dennoch, auch wenn er es wusste traf es ihn direkt ins Herz. Es verletzte ihn so sehr, dass sie sich nicht an die viele Dinge erinnern konnte, die sie zusammen erlebt, durchlebt hatten. In diesem Moment beschloss er neue Momente zu schaffen, an die sie sich erinnern können würde. Wenigstens das konnte er für sie tun.
„Es tut mir so Leid“, flüsterte er in ihr Ohr.
„Was meinst du damit?“
„Das ich alles habe und du gar nichts. Ich habe uns, die Erinnerungen und nun auch wieder dich. Doch du hast nicht mal mich. Du kennst mich gar nicht, weißt nichts über mich, während ich einfach alles weiß. Das tut mir so unendlich Leid.“ Er fiel vor ihr auf die Knie und zog sie mit runter, sodass beide auf dem aufgeweichten Boden vor dem Abgrund knieten und sich in die Augen schauten. Sie hatte so schönes Haar, war ihm das jemals schon aufgefallen. Sie hatte immer schönes Haar, doch die Farbe ihres jetzigen Haares passte so perfekt zu ihren Augen. Das war es woran er sie immer erkannte. Den Augen, denn die waren immer gleich. In den Augen lag + die Seele versteckt.
„War es nicht eine Entscheidung die wir damals zusammen getroffen hatten?“ Fragte sie völlig unvermittelt.
Hatten sie das? Oder hat er sie dazu gedrängt? Nein wie könnte er sie dazu gedrängt haben? Es war die wahre Liebe, die ihr Schicksal besiegelt hatte, nichts anderes.
„Ja, es war unsere Entscheidung“, sagte er tonlos.
„Dann gibt es nichts, was dir Leid tun müsste. Ich wusste was ich tat. Ich wusste wofür ich es tat. Ich muss dich sehr geliebt haben.“
Das hatte sie. Das hatten sie Beide. Langsam befreite sie ihr Gesicht aus seinen Händen, stand auf und zog ihn zu sich, nur um dann sein Gesicht mit ihren Händen umfassen zu können. Die Wärme durchströmte ihn wie ein Blitzschlag. Und er erinnerte sich an so viele Tage und Nächte, in denen sie ihre Wärme mit ihm geteilt hatte. Sie war ein Anker in diesem undurchsichtigen kalten Meer das die Menschen sich geschaffen hatten.
„Und eins gibt es was ich weiß. Du liebst mich, das reicht für den Moment.“ Dann küsste sie ihn und entführte ihn in eine Welt, die er glaubte vergessen zu haben.

Copyright Text: DieSchwesternGrimm.blogspot.de

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